Es geht um die Frage, wie das Zusammenspiel von Populismus, sozialen Medien und Künstlicher Intelligenz die Idee von Wahrheit, den Charakter von Debatten und die politischen Verhältnisse verändert – auf dem Weg zu einer polarisierten, von Hypes und Hysterien regierten Gesellschaft, der die nötige Kompromiss- und Konsensfindung im Angesicht ineinander verschlungener Großkrisen immer schwerer fällt. [via sephigruen]
Zuerst: Klarstellung, dass mit der Verwendung des Begriffs #KI hier vordergründig #LLMs bzw. generative KI adressiert werden. Deren negative Auswirkungen (Enormer Ressourcenverbrauch, Ausbeutung von Clickworker*innen, Vortäuschung Open Source zu sein etc.) geben den Organisator*innen der Konferenz so sehr zu bedenken, dass sie folgende Konsequenzen ziehen:
Intern: Keine Nutzung von LLMs zur Ausrichtung der Konferenz oder bei der Sichtung der Einreichungen. Sollte andere KI (wie z. B. OCR oder Audiotranskription) eingesetzt worden sein, wird das offengelegt und begründet.
Einreichungen: Die Konferenz will keine weitere unreflektierte Werbeplattform für LLMs sein. Die ungekennzeichnete Nutzung von LLMs bei der Ausarbeitung von Beiträgen wird als Plagiarismus gewertet. Von der Nutzung des Outputs von generativer KI wird abgeraten, selbst wenn diese gekennzeichtet sein sollte. Ausgenommen sind Beiträge, die sich mit KI-Forschung an sich beschäftigen und mit der Themensetzung der Konferenz übereinstimmen, z. B. die Auseinandersetzung mit deren Biases, die ressourcenschonende Nutzung oder die Vorstellung von Modellen, die auf einvernehmlich erstellten Trainingsdaten basieren und offline betreibbar sind.
Allgemein wird allen Beitragenden nahegelegt, darüber nachzudenken, ob jemandem durch die vorgestellte Software Schaden zugefügt wird, egal ob diese mit KI zu tun hat oder nicht. Jede Software verinnerlicht die Biases ihrer Erschaffer*innen, das muss eingeräumt und reflektiert werden.
Jede Konferenz in diesen Zeiten braucht ein solches ethisches Commitment.
Im Moment werden die Recherchesysteme der Bibliotheken von KI-Bots überrannt.
For the records: Ich bin mit dem Problem seit spätestens Anfang 2024 vertraut. Ich schaue gerade dabei zu, wie meine Prognosen eintreffen und sich immer neue Einrichtungen bei mir melden. Die öffentliche Infrastruktur schließt sich — praktisch, aus der Not heraus.
Schade nur, dass den Zusammenhang zwischen dem Loblied auf generative KI und den zusammenbrechenden Infrastrukturen keiner so recht benennen mag.
Drei Wochen nachdem Jack Dorsey und Elon Musk gefordert hatten, Immaterialgüterrechte in Gänze abzuschaffen („delete all IP law“), schmeißt Donald Trump die Direktorin des US Copyright Office raus. Diese hatte sich geweigert, Trumps Wunsch umzusetzen.
Sven Gigold referiert den Trend, dass Suchmaschinen eher zu Findemaschinen werden und dass der AI-Einbingungstrend dies noch verstärkt, so dass tendenziell weniger Traffic von Suchmaschinen zu Homepages, insbesondere zu mittleren und kleinen geleitet werden. Die diskutierten Lösungen – Blogrolls, Aggregatoren oder Linksammlungen überzeugen nicht recht, weil sie die Masse der Homepages gar nicht erschließen können und auch schnell(er) veralten. Zumal ja zu Recht gesagt wird, dass viele schon von den Suchmaschinen abgewandert sind und die Suche bei TikTok, YouTube oder Reddit verwenden …
Es ist schon krass, dass Unternehmen wie Meta, ChatGPT, Google und Co. KI einfach mit urheberrechtlich geschütztem Material trainieren, während Urheberrechtsverletzungen im privaten Umfeld gnadenlos verfolgt werden. Es scheint eine klare Doppelmoral zu geben, wenn es um den Umgang mit geistigem Eigentum geht.
“Das führt dazu, dass das Internet und die Social-Media-Plattformen gerade in einem Tsunami von Spam- und Fake-Websites und -Profilen ertrinken. Manche sprechen bereits davon, dass das Informationszeitalter vom Zeitalter des Rauschens abgelöst wurde.
Im Ergebnis führt das dazu, dass die Ersetzung des Internets als Ort der Informationssuche durch die ärmere KI-Variante dadurch abgesichert wird, dass der Weg zurück zum ursprünglichen Internet versperrt ist, weil die generativen KIs es in atemberaubendem Tempo unbrauchbar gemacht haben.”
“The Association of Research Libraries (ARL) has issued a set of “Research Libraries Guiding Principles for Artificial Intelligence.” AI technologies, and in particular, generative AI, have significant potential to improve access to information and advance openness in research outputs. AI also has the potential to disrupt information landscapes and the communities that research libraries support and serve. The increasing availability of AI models sparks many possibilities and raises several ethical, professional, and legal considerations.
Articulating a set of research libraries guiding principles for AI is useful to influence policy and advocate for the responsible development and deployment of AI technologies, promote ethical and transparent practices, and build trust among stakeholders, within research libraries as well as across the research environment. These principles will serve as a foundational framework for the ethical and transparent use of AI and reflect the values we hold in research libraries. ARL will rely on these principles in our policy advocacy and engagement.”
Christoph Spannagel ist ein (Mathematik-)Didaktiker, der in Heidelberg an der Pädagogischen Hochschule lehrt und stets tolle Ansätze hat. Hier ist ein Video von ihm, in dem er in die Handhabung von KI im Kontext von wissenschaftlichem Schreiben einführt. Zum Schluß schildert er noch Tools, die hier relevant sind.